Mein Kind spricht nicht – was tun?

Warum frühe Sprachtherapie bei Kindern unter drei Jahren?

Kinder mit einem gesunden Spracherwerb beginnen etwa um ihren ersten Geburtstag, erste Wörter wie z. B. „Mama“. „Papa“, „heiß“, „an“, „auf“,…  zu sprechen. In den nächsten sechs Monaten wächst ihr Wortschatz langsam auf etwa 50 Wörter an. Aus zwei Gründen gilt in der Spracherwerbsforschung dieser Wortschatzrichtwert von 50 Wörtern, der um das zweite Lebensjahr, spätestens jedoch mit mit 30 Monaten, erworben sein sollte,  als „magische Zahl“. Denn:

  • Das Kind benötigt ca. 50 Wörter, um Zwei-Wort-Kombinationen (Bsp: „Kuchen backen.“, „Papa Auto.“) erstellen zu können.
  • Verfügt das Kind über 50 Wörter, kommt es in den Wortschatzspurt. Dieser ermöglicht unseren Kindern das schnelle Wortlernen. So lernen sie in dieser Zeit durchschnittlich 10 neue Wörter am Tag.

Die Sprachentwicklung explodiert regelrecht.

Fachpersonen wie Logopäden und Sprachtherapeuten nennen Kinder, welche die Sprache nicht oder verspätet entdecken und somit mit 24 Monaten den Wortschatzrichtwert von etwa 50 Wörtern noch nicht erreicht haben, „Latetalker“. Der verzögerte Sprachbeginn beunruhigt die Eltern meistens sehr. Bei der U 7 steht dann der kindliche Spracherwerb im Zentrum der Untersuchung. Daraus kann sich die Indikation für frühe Sprachtherapie ergeben. Von vielen wohl gemeinten Seiten wird jedoch trotz eindeutigem Entwicklungsrückstand oftmals zu geduldigem Abwarten geraten wodurch wertvolle Therapiezeit verloren geht.

Wie entwickeln sich „Latetalker“ sprachlich?

Mit etwa dreieinhalb Jahren sprechen meist alle Kinder. Während ein Teil der Kinder seinen Sprachentwicklungsrückstand selbständig und problemlos aufgeholt hat, zeigt ein weiterer Teil der Kinder qualitativ gravierende Unterschiede zu normal entwickelten Kindern. Die Kinder verwenden Sprache weder kommunikativ noch produktiv. Sie haben oftmals massive Probleme im Sprachverständnis, es gelingt ihnen außerdem nicht, dem Gesprächspartner über Erlebnisse, Bedürfnisse oder Wünsche zu berichten. Das schnelle Lernen der Sprache, wie wir es von sprachlich unauffälligen Kindern gewohnt sind, bleibt ebenfalls aus.

Langzeitstudien haben gezeigt, dass Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung, Erwachsene mit einer Lese-Rechtschreibschwäche oder mit einem sekundären Analphabetismus ebenfalls einmal „Latetalker“ waren. Somit ist die erste offensichtliche Auffälligkeit für die genannten Störungen der verspätete Sprachbeginn. Auch bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernbehinderungen sollte die Sprachentwicklung beachtet und untersucht werden.

Die frühe Sprachtherapie nach Dr. B. Zollinger orientiert sich an der Entwicklungspsychologie. Im primären Fokus der Therapie steht der Blickkontakt. Weiterhin wird der Aktivität des Kindes mit einfachen, kurzen Äußerungen wie z. B. „zack“, „boom“, „oh“,… Bedeutung beigemessen. Gearbeitet wird ausschließlich im Freispiel am Boden. Das Kind soll Vorstellungen von den Dingen aufbauen und erkennen, dass Sprache repräsentative Funktion hat und uns die Möglichkeit verleiht, von den Dingen zu sprechen, die aus dem Hier und Jetzt heraus gelöst sind. Sprachliche Ziele der Therapie sind die Entwicklung eines guten Sprachverständnisses, die Verbesserung der Verständlichkeit, der Wortschatzaufbau sowie die gesunde Grammatikentwicklung. All diese Therapieinhalte werden im Spiel (Formbox, mit Wasser, Knetmasse, Kaufladen, Brio Bahn, Puppen, Fahrzeuge,…) gemeinsam erarbeitet. Frühe Sprachtherapie am besten noch vor dem dritten Lebensjahr soll dem Kind den Weg zurück in den gesunden Spracherwerb ermöglichen. Geduldiges Abwarten lässt wertvolle Zeit verstreichen. Lassen Sie uns diese für eine optimale Gesamtentwicklung unserer Kinder therapeutisch nutzen!